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Präsentation der Machbarkeitsstudie für Putbus
ProjektLesedauer 3:02 Minuten
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Machbarkeitsstudie für Schloss Putbus

Mit einem reichen Erfahrungsschatz im Wiederaufbau historischer Gebäude und bedeutsamer Denkmäler wurde IPROconsult mit der Durchführung einer Studie beauftragt, die untersuchen sollte, in welcher Form und zu welchen Kosten das historische Schloss Putbus auf der Insel Rügen neu errichtet werden könnte.

Geschichtlicher Hintergrund

Bis ins Mittelalter reichen die Ursprünge des Schlosses Putbus, das im 19. Jahrhundert nach einem Brand im neoklassizistischen Stil neu aufgebaut wurde. Leider machte der in der DDR vorherrschende Nicht-Bewahrungssinn kulturellen Erbes auch vor der Ostsee-Insel Rügen nicht Halt. Auf den berüchtigten "Befehl 209" mussten alle Schlösser und Herrenhäuser, die weder als Schulen oder Verwaltungsgebäude noch für das Gesundheitswesen taugten, in der sowjetischen Besatzungszone "zur Baustoffgewinnung" abgerissen werden. Mit dem wiedergewonnenen Baumaterial sollten nach dem Krieg allein in Mecklenburg 12.000 neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude entstehen.

Das Schloss Putbus blieb zwar vorerst von jenem Befehl verschont, da hier Künstler der Kunsthochschule Berlin-Weißensee sowie ein Teil der Staatlichen Schauspielschule Schwerin eingezogen waren. Doch über die Jahre verschlechterte sich der Gebäudezustand, während Gelder und Materialien für die nötige Instandhaltung sowie Reparaturen fehlten. Da es dringender erschien, Wohnungen für die DDR-Bürger zu bauen, wurde schließlich auch der einst fürstliche Herrschaftssitz in den 1960er Jahren gesprengt und abgerissen.

Historische Postkarte des Schlosses Putbus
Historische Postkarte des Schlosses Putbus

Inhalte der Studie

Mit unserer Erfahrung im Wiederaufbau historischer Bauwerke wie bspw. der Dresdner Frauenkirche und den sie umgebenden Quartieren am Neumarkt wurde IPROconsult vom Förderverein “Fürstliches Schloss zu Putbus” mit einer Machbarkeitsstudie zur Rekonstruktion des Schlosses beauftragt. 

Dafür wurden zwei Nutzungsszenarien durchgespielt - das einer eher kommerziellen Nutzung sowie einer öffentlich. Letzteres würde aus dem Schloss einen Verwaltungssitz für eine Bundes- oder Landesbehörde mit offenen Büros machen - ähnlich der Alten Post in Schwerin, die gerade nach den Plänen von IPROconsult saniert wird. Über einen separaten Eingang könnten Museum und Gastronomie samt Außenterrasse erreicht werden. Auch Archive und ein Kammermusiksaal könnten einziehen. 

Würde man sich für eine kommerzielle Nutzung entscheiden, wäre ein Kongresshotel mit 56 großzügigen Apartments unter Beibehaltung der historischen Raumhöhe denkbar, welches sich damit von den üblichen kompakten Hotels abheben würde. Weiterhin könnte das Schloss ein Museum, einen Shop, ein Café sowie weitere Gastronomie beherbergen als auch einen Musik- und Vortragssalon, einen Tagungssaal und Wellness-Einrichtungen.

Ostansicht des Schlosses
Ostansicht des Schlosses
Ansicht vom Schwanensee (Westansicht)
Ansicht vom Schwanensee (Westansicht)

Großes öffentliches Interesse

Das Theater Putbus, in dem die Ergebnisse im November 2023 präsentiert wurden, war nahezu vollbesetzt. Auch das Medienecho war groß und reichte über die Lokalpresse hinaus. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass der Wiederaufbau des Prachtbaus von großem öffentlichen Interesse wäre und auch unsere Kunsthistorikerin, María Aranda Alonso, betont den Denkmalwert des Gebäudes. 

Nach der Präsentation der Ergebnisse zeigt sich der Förderverein optimistisch und spricht von einem "Bau von nationaler Bedeutung, der wichtig für das Verständnis der Region ist". Die Unterlagen werden nun genaustens studiert und ausgewertet. Die bevorstehenden Kosten werden auf rund 48 (öffentliches Nutzungsszenario) und 53 Millionen Euro (kommerzielles Nutzungsszenario) geschätzt. 

Das Theater füllt sich.
Das Theater füllt sich.

 

Als möglichen nächsten Schritt schlagen unsere Experten eine archäologische Bodenuntersuchung vor, bei der die bestehenden Mauern ausgegraben und die Reste des Fundaments sichtbar gemacht werden könnten. Parallel wäre es denkbar, einen Info-Pavillon mit einer virtuellen Ausstellung einzurichten oder einen spannenden Spaziergang nach dem Beispiel der Bellotto-App in Dresden zu konzipieren, sodass man vom Smartphone an interessante Plätze mit historischen Bildern, Infos und Rätseln geleitet wird.

Wie es nun aber genau weitergeht, hängt von den politischen Entscheidungsträgern ab.

Das Architekten-Team auf der Bühne
Das Architekten-Team auf der Bühne
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